BEHANDLUNGSABLAUF

Am Anfang der Behandlung steht immer ein Gespräch, die sogenannte Anamnese. Sie ist das diagnostische Werkzeug, mit dem der Homöopath die Befindlichkeiten des Patienten kennenlernen und entsprechend einschätzen kann. Neben der homöopathischen und klinischen Erfahrung des Arztes ist eine spezielle Fragetechnik wichtig, die dem Patienten helfen soll, sich auf sich selbst zu konzentrieren und seinen inneren Zustand beschreiben zu können.

Für eine vollständige Anamnese benötigt der homöopathische Arzt, abgesehen von der genauen Kenntnis der körperlichen Symptome, auch ein tieferes Verständnis vom sonstigen Befinden des Patienten. Er betrachtet den Patienten in seiner Gesamtheit, wozu auch dessen Lebensgeschichte, die Seelenlage, der geistige Zustand und die aktuellen Lebensumstände gehören. Denn der Schlüssel zu Auffindung der passenden Arznei liegt in den individuellen Wesenszügen eines jeden Menschen.

Eine weitere Rolle spielen dabei Ereignisse oder Situationen, die als mögliche Auslöser der Beschwerden gesehen werden können, ebenso die Familien- und Medikamentenanamnese des Patienten. Hierbei ist es hilfreich, zur Erstanamnese entsprechende Unterlagen wie den Impfpass, eine Auflistung der aktuellen Medikation, ärztliche Befunde und Laborwerte, sowie bei Schwangeren den Mutterpass und bei Kindern das gelbe Vorsorgeheft mitzubringen.

Um dem Umfang einer solchen Erstanamnese gerecht zu werden, sollte für dieses Gespräch eine Dauer von etwa eineinhalb bis zwei Stunden eingeplant werden.

Darauf aufbauend wird eine spezielle Analyse und Recherche durchgeführt, um unter den rund 2000 geprüften homöopathischen Einzelmitteln (darin unterscheidet sich die Klassische Homöopathie von einer Behandlung mit homöopathischen Komplexmitteln) die individuell passende Arznei für den Patienten zu finden.

Nach einem angemessenen Beobachtungszeitraum, während dessen das Arzneimittel seine Wirkung entfalten kann, findet eine Folgeanamnese statt. In der Regel erfolgt dieses Nachsorgegespräch etwa sechs bis acht Wochen nach der Erstanamnese. Hier wird das weitere Vorgehen festgelegt. Ist es nötig die Arznei zu wiederholen? Oder sollte weiter abgewartet werden? Muss eine andere, neue Arznei gewählt werden? Oder gibt es möglicherweise Heilungshindernisse? Es gelingt nicht immer, bereits nach der ersten Analyse das heilende Mittel zu finden, was aus der Komplexität der einzelnen Erkrankungen und der Vielzahl der Arzneien leicht verständlich ist.

Eine homöopathische Behandlung wird sich in der Regel über mehrere Monate erstrecken. Dabei ist damit zu rechnen, dass die Therapie langwieriger sein kann, wenn auch die Erkrankung schon über einen längeren Zeitraum besteht. Bei günstigem Behandlungsverlauf werden die Abstände zwischen den einzelnen Terminen jedoch immer größer und die Arzneigaben immer seltener.

NOCH WISSENSWERT

Die Klassische Homöopathie ist einfach anwendbar und mit den üblichen Lebensgewohnheiten in der Regel gut vereinbar. Weder Zahnpasta noch Kaffeegenuss stellen bei mäßigem Konsum und ausreichend zeitlichem Abstand zur Arzneimitteleinnahme ein Hindernis für die homöopathische Behandlung dar.

Allerdings sollten stark kampferhaltige Anwendungen vermieden werden. Kampfer ist hauptsächlich in äußerlich anwendbaren Arzneien wie Salben, Inhalationslösungen und Badezusätzen enthalten. Deutlich abgeraten wird auch von einer parallelen Einnahme von Schüssler Salzen, Bachblüten oder homöopathischen Komplexmitteln, da diese ebenfalls auf einer energetischen Ebene wirken und so die homöopathische Behandlung empfindlich stören können.

Für den Fall, dass schulmedizinische Medikamente langfristig eingenommen werden müssen, wäre es nicht verantwortungsvoll, diese einfach abzusetzen. Wenn sich im Laufe der homöopathischen Therapie eine Besserung der Beschwerden einstellt, können die Medikamente nach Absprache mit dem behandelnden Arzt und unter engmaschiger Kontrolle allmählich reduziert oder im besten Falle sogar ausgeschlichen werden.